Kostenlos für den Einzelhandel: Wie sich Verschwörungsideologie über das Kornmagazin im Südharz verbreitet.

Kornmagazin-Herausgeber und Autor Uwe Lowin als Komparse im Tatort.

An der Verbreitungsgeschwindigkeit von Verschwörungsmythen lässt sich erahnen, wie tief die bundesdeutsche Gesellschaft von antisemitischem Wahn angetrieben wird. Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen lebt durch „Corona Leugner_innen“ wieder auf.(*) Diese organisieren sich in Gruppierungen wie u.a. “Querdenken”. Längst ist ihre aktive Vernetzung mit der extremen Rechten nachgewiesen. Ein aktuelles Beispiel aus dem Ländlichen zeigt, wie diese rechtsextremen Ansichten in der bürgerlichen Mitte aktuell Fuß gefasst haben und sich weiterverbreiten.

Beim Kornmagazin aus dem Südharz handelt es sich um ein lokal und kostenlos verteiltes Anzeigen-Magazin mit redaktionellem Antlitz. Der nicht durch Anzeigen belegte Platz wird von Uwe Lowin redaktionell gefüllt. Uwe Lowin ist Verlagsleiter, Herausgeber und sein eigener Autor – in einer Person. In dieser Funktion informiert er über das Geschehen zumeist aus dem Südharz. Auch über seine Komparsen- und Sprecherrollen informiert er im Kornmagazin. So erfahren die Lesenden, wie sein Traum in Erfüllung ging, den Dorfpolizisten-Komparsen im Krimiformat Tatort „Die Rache an der Welt“ (NDR) zu spielen. Auch in Köln erhaschte er eine Nebenrolle: “Einsatz in Köln” -Kommissare ermitteln“ (Constantin Entertainment). Und er berichtet mit Schlagzeile, wenn ihm Rollen abgesagt worden sind: „Pech für Uwe Lowin“. Mit derlei Beiträgen wird seiner Broschüre beim Warten in der Zahnarztpraxis, im Friseursalon oder an der Schlachter-Theke eher kurzweilige Aufmerksamkeit zuteil.
Den Ruf als bedenkenlos zu verteilendes und unpolitisches Anzeigenblättchen dürfte Uwe Lowin jedoch mit der Mai-Juni-Juli-Ausgabe 2021 los sein: Bereits im “Vorwort des Herausgebers” wartet er mit Fakenews auf, mit denen die Corona-Pandemie relativiert wird. Nach dem Umblättern erfahren die Lesenden von seiner Fahrt zur Demonstration des „Querdenken“-Spektrums nach Kassel, gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar. In die Schlagzeilen kam die sog. „Anti-Corona“-Demo in Kassel im März, weil dort aggressiv die gerichtlich bestätigten Auflagen der Stadt Kassel missachtet wurden. Den aktiven Verstoß gegen diese Auflagen vergleicht Uwe Lowin verniedlichend mit einer „Kirchentags-Stimmung“, die gewalttätigen Übergriffe auf Andersdenkende, Journalist_innen und Polizeibeamt_innen negiert er. Pauschal bezeichnet er, getreu dem Szene-Sprech, die Berichterstattung von und über die Demonstration als „mediale Hetzjagd“ und unterschlägt, dass belegterweise zahlreiche verfassungsfeindliche Rechtsextreme und Reichsbürger_innen an diesen Demonstrationen teilnehmen. So auch in Kassel, als diese als gleichberechtigte Teile des Demonstrationszuges auf diesem sog. “Kirchentag” ihre verfassungsfeindliche und menschenverachtende Ideologie verbreiten und die “Stimmung” anheizen durften. Lowins ausführlicher Bericht über die Gründungsversammlung der „Querdenker-Partei“ DIE BASIS in Göttingen passt sich hier ins Bild ein.
Es sind bisher lokale und regionale Werbekund_innen, die Lowin und sein Pamphlet mit großformatigen Anzeigen die finanzielle Basis sichern. Darunter der Energieversorger Harz Energie, das Wohnbauunternehmen Kreiswohnbau Osterode/Göttingen, die Sparkasse sowie zahlreiche ortsansässige kleinere Handwerksbetriebe, Dienstleister_innen, Fitness-Studios oder das Schwimmbad. Auch die „Pension Coesfeld“ bewirbt ihre „Heilsteinen“ aus „Giesela’s Steinstübchen“.
 Unter dem Demobericht aus Kassel fällt eine redaktionell als „anonym“ bezeichnete großformatif Werbeanzeige (!) auf. Darin wird unverhohlen der rechte Hetz-Blog von Boris Reitschuster beworben – in rechtsextremen und verschwörungsideologischen Kreisen äußerst beliebt. Die Website des Handelsblattes bezeichnet Reitschuster darin als „rechtskonservativen Blog“. Auffällig auch, dass sich seine Diffamierungen oft an erfolgreiche Frauen* richten. So hat er beispielsweise Liane Bednarz (Publizistin und Juristin) oder Simone Rafael (Publizistin und Kunsthistorikerin) mit populistischen Unterstellungen überzogen. Reitschuster versteht sich darauf, Rechte als Linke und Linke als Rechte zu verkehren. Das scheint bei Uwe Lowin zu fruchten, der in seinem redaktionellen Beitrag über die Corona-Demo in Kassel Boris Reitschuster bereitwillig  zu Wort kommen lässt.
Kann das sein? Auf Demonstrationen und bei seinen Werbekund_innen „übersieht“ Uwe Lowin Antisemitismus und Rechtsextremismus. In seinem Kassel-Demo-Bericht gibt er Michael Meyen, Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München, das letzte Wort: Meyen klagte u.a. gegen den Beschluss der Stadt München, der antisemitische Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen. In seinem Blog „Medienrealität“ (er ist hier Mitherausgeber) wird Ken Jebsen „als professioneller Journalist“ dargestellt. Das Linke Bündnis gegen Antisemitismus München  veröffentlichte zu Meyen einen Text mit dem Titel „Michael Meyen und das Antisemitismusproblem an der LMU München.“(**)
Über all das informiert Lowin seine Lesenden hingegen nicht.

 

Bericht über die sog. Anti-Corona-Demo in Kassel, März 2021
Bericht über die sog. Anti-Corona-Demo in Kassel, März 2021 inkl. Werbung für Boris Reitschuster.
Bericht über die Gründung der “Querdenken”-Partei “Die Basis” in Göttingen. Margaretha Main kandidiert für den Bundestag.
*)Zum Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsideologie folgende Leseempfehlung:
**) BgA München vom 12.03.2021, hier nachzulesen:

Antisemitismus auf Hanau-Gedenken – Ein Problem?!

Hui! Wer hätte gedacht, dass eine Kritik an einer antisemitischen Hetze im Rahmen einer antirassistischen Trauer- und Gedenkveranstaltung nicht selbstverständlich zur Distanzierung von den Antisemit_innen führt…

Die plötzlich im Raum stehenden “Fragen”, ob sich überhaupt von Antisemitismus distanziert werden muss, haben wir hierzu nochmal zusammengefasst und beantwortet.

1. Ist es nicht unsolidarisch, eine Rede auf einer antirassistischen Gedenkveranstaltung zu kritisieren?

Die am 19. Februar in Köln ausgerufene Parole „Freiheit für alle Palästinenser vom Fluss bis zum Meer“ (engl. „From River to the sea, palestine will be free“) zielt auf die Ablehnung einer friedlichen Zwei-Staaten Lösung und das Negieren jeden Existenzrechts Israels. Dies ist antisemitische Kackscheisse und hat auf einer Gedenkkundgebung zu Hanau nichts zu suchen.

Aus gutem Grund wird sich bei Trauer- und Gedenkveranstaltungen aus Respekt und Rücksichtnahme an den Interessen der Betroffenen orientiert. Betrachten wir den Wunsch der Angehörigen, Hinterbliebenen und Überlebenden des rassistischen Terroranschlages von Hanau: „fordern Aufklärung, weil die zuständigen Behörden seit Jahrzehnten auf den Rassismus nicht reagieren und eine Mitschuld tragen; Konsequenzen, damit die Rassisten entwaffnet und die Behörden grundlegend entnazifiziert werden; Gerechtigkeit, damit das Leid der Familien und Überlebenden anerkannt wird und sie die notwendige Unterstützung erhalten; Erinnerung, damit die Ermordeten niemals vergessen werden und so etwas nie wieder passiert.“ (s. 19feb-hanau.org/2020/08/21/pm-zur-demo/)

In Köln wurden zwei aufeinander aufbauende Reden gehalten, die das Attentat von Hanau gezielt als Einstieg für ein ganz anderes Thema genutzt haben: Für linke antisemitische Hetze in Richtung des jüdischen Lebens im Allgemeinen und in Richtung des Staates Israel  im Besonderen. Die Reden wurden von „Young Struggle“ und „Palästina spricht NRW“ gehalten. Dass es den genannten Gruppen nicht primär um das Gedenken an den rassistischen Terroranschlag ging, zeigte sich auch im Verhalten und Auftreten. Unmittelbar nach ihren eigenen Redebeiträgen verließen sie die Kundgebung direkt wieder.

2. Weshalb kritisiert ihr die Kapitalismuskritik von „Young Struggle“ und „Palästina spricht NRW“?

Dass es einen  Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Rassismus gibt, ist zunächst unzweifelhaft gegeben und sollte betont werden. Am Beispiel der gehaltenen Reden wird aber deutlich, dass dies keine Kapitalismuskritik war, sondern antisemitische Verschwörungsideologie unter dem Deckmantel der „Kritik“.

So benutzt Young Struggle den Begriff „Kapitalistenklasse“ bezogen auf den Staat Israel und behauptet, diese „Klasse“ sei schuld an der Situation der Palästinener_innen. Die Terrororganisation Hamas wird hingegen nicht in die Kritik einbezogen. Dabei leiden Palästinenser_innen zum Beispiel in Gaza unter der islamistischen Terrorherrschaft der Hamas.

Es wird deutlich, dass es Young Struggle und Palästina spricht NRW nicht um Kapitalismuskritik oder Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung geht, sondern schlicht um antizionistischen Antisemitismus.

3. Und was wäre eurer Meinung nach eine korrekte Kapitalismuskritik?

Zunächst einmal muss eine kapitalismuskritische Rede kein studentisches Co-Referat werden, bei dem die Versammlungsteilnehmenden schnell den Faden verlieren. Aber auch Vereinfachungen sollten nicht verzerren und korrekt sein.

Die Aussage, wonach der Kapitalismus die Herrschaft der Kapitalisten sei, wird dem Problem, welches der Kapitalismus darstellt und die er hervorbringt, nicht gerecht. „Wer kennt sie nicht, die tollen Karikaturen, wo dicke Männer in Schwarz mit Zylinder und Zigarre wieder dieses oder jenes verantworten oder befehlen. Das basiert auf der Vorstellung, „die Kapitalisten“ seien eine Gruppe von Menschen, die eng zusammenarbeiten. Die eigentliche Macht läge nicht bei der politischen Gewalt, sondern in der Ökonomie oder aber, die Politiker*innen seien nur Marionetten der Kapitalist*innen. Auf den Donnerstagstreffen der herrschenden Klasse muss ganz schön was los sein… So schlicht war das nicht einmal im 19. Jahrhundert, als diese Bilder entstanden sind.“ Ein Erklärungsmuster auf das Verschwörungsideolg_innen zurückgreifen, wie wir auch von den antisemitischen Pandemie-Befürwortern wie „Köln Aktiv“ und Rechtsextremen wissen. Hier ist es Bill Gates oder der jüdische Milliardär George Sorros, dort eine „Kapitalistenklasse“-Clique als die jüdische Weltverschwörung.

4. Nun geht es wieder um den Nah-Ost-Konflikt und nicht mehr um Hanau.  Wem hilft das?

Da es niemanden hilft, haben wir uns entschieden diese notwendige Kritik öffentlich zu machen.

5. Es ist doch rassistisch, Reden migrantischer Selbstorganisation zu kritisieren!

Wer denjenigen Rassismus vorwirft, die linken Antisemitismus kritisieren, betreibt einen leicht zu durchschauenden What-about-ism, um Kritik am Antisemitismus zu verhindern. Dass dieses Argument von denen ins Feld geführt wird, die dem Umfeld autoritärer stalinistischer und marxistisch-leninistischer Zellen zugerechnet werden, verwundert kaum: Antisemitismus und Judenhass ist bei ihnen Programm.

6. Palästina spricht NRW hat sich doch „deutlich jegliche Antisemitismus-Vorwürfe“ zurückgewiesen. Damit ist doch eure Forderung erfüllt?

„Palästina spricht NRW“ hat unsere Kritik bestätigt und sich nicht mit dem eigenen Antisemitismus auseinandergesetzt. Sie versuchen sich dem emanzipatorischen Diskurs mit einem autoritären Trick zu entziehen: Die Kritiker_innen ihrer Rede seien „von weißen, sich  antirassistisch und antisemitismuskritisch gebenden Gruppen“ geäußert worden und deshalb nicht berechtigt Kritik zu äußern.

Dass Jüdinnen und Juden in postkolonialen, antirassistischen oder intersektionalen Debatten als »weiß« markiert werden, ist keine Seltenheit. Eine solche Zuschreibungen versagt vor der Komplexität jüdischer Geschichte in Europa. In unreflektierten intersektionalen Debatten impliziert die Bezeichnung »weiß« stets, dass die so Bezeichneten zum herrschenden Teil der Gesellschaft gehören und keine Diskriminierung erfahren. Im postfaschistischen Deutschland verbietet es sich, den Begriff in diesem Sinne auf jüdische oder auf Menschen aus Osteuropa anzuwenden, die sich gleichwohl kaum als »nichtweiß« bezeichnen lassen.

Indem „Palästina spricht NRW“ ein Foto unter das Statement setzt auf dem die “Migrantifada“ gefordert wird, macht sie deutlich, dass sie nicht am Kampf gegen Unterdrückung, sondern an der Vernichtung jüdischen Lebens interessiert sind. Die Verschmelzung von „Migration“ und „Intifada“ legt offen, die Vernichtung (Intifada) der Jüdinnen und Juden in Deutschland zu forcieren. Dieser angebliche Kampf für eine gerechte Welt gegen Unterdrückung, für Freiheit und Frieden dieser Gruppe ist durchsichtige Heuchelei.

Keine Ausreden! Antisemitismus konsequent zurückdrängen. #NieWieder

Antisemitismus in Köln an Stelle von Trauer und Gedenken an die Opfer von Hanau

Young Struggle Köln hat die Gedenkveranstaltung an den rassistischen Terroranschlag von Hanau gekapert, um die Erinnerung und den Protest als Forum für #Antisemitismus und Geschichtsrevanchismus zu nutzen.

Am 19. Februar fanden die bundesweit wichtigen und bemerkenswert kritischen Erinnerungen an den rassistisch motivierten Terroranschlag von #Hanau statt. So auch in Köln. Zu der auf dem #Wilhelmsplatz in Köln-Nippes stattfindenden Veranstaltung “1 Jahr nach Hanau – Erinnern heisst Kämpfen” am 19. Februar um 16 Uhr riefen auch autoritäre Gruppen wie Young Struggle auf.

Der strukturelle Rassismus in Deutschland wurde in der Rede von Young Struggle mit einem “Genozid” gleichgesetzt. Die rassistische Mehrheitsgesellschaft wurde von Young Struggle in Schutz genommen, Rassismus wurde als “Instrument der herrschenden Klasse” verharmlost und relativiert. Gleich so als wären die Menschen im Kapitalismus nicht für ihre Taten auch selbst verantwortlich, ist es in der Verschwörungsideologie von Young Struggle einzig “der Kapitalist”, der mit Rassismus die Arbeiterklasse manipulieren und spalten würde.

Damit nicht genug. Als hätte es etwas mit Hanau zu tun, behauptet Young Struggle auch noch, die “Kapitalisten” seien Schuld an der Situation der Menschen in Gaza. Nebenbei bemerkt: Der Terrorismus der Hamas, von dem Palästinenser_innen und Jüd_innen betroffen sind, wurde mit keinem Wort erwähnt. Das dürfte den uniformiert und geschlossen mit Pali-Tuch auftretenden Gruppen gefallen haben, als schließlich “Palästina spricht NRW” in der auf Young Struggle aufbauenden Rede zur Vernichtung Israels aufrief: “Wir kämpfen für eine freie Welt für alle Palästinenser vom Fluss bis zum Meer”.

Die Instrumentalisierung von Erinnern an Hanau und die Ermordeten (#SayTheirNames) wurde in besonders widerwärtiger Art und Weise für antisemitische Vernichtungsphantasien und als antiimperialistische Klassenpropagandaschmiede benutzt.

Die Veranstaltung wurde in Köln breit beworben, Distanzierungen sind uns bisher keine bekannt. Wir hoffen, dass nach unserem Beitrag Konsequenzen folgen und Young Struggle nicht unwidersprochen bleibt.

Gedenken an das Halle-Attentat von 2019

Wir solidarisieren uns mit allen Überlebenden, die am 9. Oktober 2019 angegriffen und verletzt wurden. Sie wurden widerliches Ziel des rechtsterroristischen Angriffs eines Antisemiten, Rassisten, Sexisten und Antifeministen. Er hat zwei Menschen ermordet. Wir denken und erinnern uns an Jana L. und Kevin S., sie bleiben unvergessen.
Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gehört auch ihren Familien, ihren Freund*innen und all jenen, die unmittelbar Zeug*innen werden mussten der terroristischen Angriffe.
Das Attentat, das in Halle begann, zieht seine blutige Spur durch das Leben aller, die angstfrei, sorglos und glücklich in dieser Gesellschaft leben wollten.
Getroffen hat es am 9. Oktober 2019 Menschen, über deren Leben der rechtsextreme Attentäter entschieden hat, dass es nicht wichtig, nicht von Bedeutung und ohne Wert sei.
Getroffen hat es am 09.10.2019 Menschen, deren Leben wichtig, von Bedeutung und wertvoll war und ist.
Getroffen hat es am 09. Oktober letzten Jahres sie – davon betroffen waren wir somit alle.
Mit unserer Solidarität wollen wir auch zum Ausdruck bringen, dass nicht rechtsextreme Attentäter mit ihrem Terror das letzte Wort haben.
Das letzte Wort hat eine demokratische Gesellschaft, die aufsteht für Freiheit, Gleichheit, Vielfalt und Solidarität!
(Rheinisches Antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus, 09.10.2020)

Redebeitrag zur Gedenkkundgebung vom 08.10.2020 anlässlich des Anschlags in Halle 2019

Das Attentat von Halle –
Zusammenhänge von Antifeminismus und Antisemitismus

Redebeitrag auf der Gedenkkundgebung „Kein Vergessen! Kein Vergeben!“ am  08. Oktober 2020
anlässlich des Attentats in Halle vom 9. Oktober 2019 vom Rheinischen Antifaschistische Bündnis gegen Antisemitismus

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Die aktuelle Manifestation autoritärer und rechtsextremer Ideologien auf allen vorstellbaren gesellschaftlichen Ebenen macht es zwingend erforderlich, diese gemeinsam und solidarisch abzuwehren. Die Zusammenhänge von Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Antifeminismus deutlich zu machen und zu verstehen, sind hierfür eine Grundvoraussetzung.

Dies ist die Basis für eine emanzipatorische und demokratische Gesellschaft, die wir erhalten und verteidigen wollen.

 „Feminismus ist Schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, die die Ursache für die Massenmigration ist. Und die Wurzel dieser Probleme ist der Jude.“ – Mit diesen Worten beginnt ein Video, das am 9.Oktober 2019 live ins Internet übertragen wurde.

Worte und Video stammen von dem Mann, der in diesem Moment auf dem Weg zur Synagoge in Halle war – mit dem Ziel die Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Halle zu ermorden.

Das sog. Manifest des Attentäters von Halle stützt sich auf Antisemitismus, Verschwörungsideologie, er faselt rassistisch von einem großen Austausch und sieht die Schuld für sein gekränktes Ego und die Legitimation seiner Taten im Feminismus.

An dieser Stelle:

Wir wollen dem Attentäter keine weitere Plattform bieten. Darum verzichten wir auf weitere Zitate desselbigen.

Der Täter ist vielleicht ein Einzeltäter – vielleicht auch nicht – doch in jedem Fall ist das Attentat in einer rechtsterroristischen Kontinuität begangen worden.

Um seinen und den seiner ideologischen Vorbilder von Christchurch, Oslo und Utöya antisemitischen und antifeministischen Hass deutlich zu machen, reicht es dabei völlig aus, die Verschwörungskonstrukte und Ideologien, die zugrunde liegen, zu definieren.

Falls sich unter uns jetzt immer noch welche fragen, warum dieser Redebeitrag die Zusammenhänge zwischen Antisemitismus und Antifeminismus aufzeigt? – Die Antwort lautet:

Für rechtsextreme Attentäter, wie den von Halle, war Antifeminismus, neben Antisemitismus und Rassismus, ein entscheidendes Motiv für ihre terroristischen Anschläge. Ihr Verschwörungsglaube geht soweit, dass sie behaupten, der Feminismus sei eine gezielt jüdische Erfindung, um die weiße Rasse zu zerstören. Es ist zudem das verachtende Menschenbild, das Antisemitismus und Antifeminismus eint.

Jede Form von Antisemitismus, sei es der historische, der religionsgestützte, der sekundäre, der völkische und auch der israelbezogene, versucht das Leben von Jüdinnen und Juden, jüdisches Leben zu destabilisieren, zu demontieren, zu illegalisieren und in ihrer Existenz u bedrohen.

Antifeminismus hat ebenso wie Antisemitismus das Ziel zu destabilisieren, zu demontieren, zu illegalisieren und die Existenz der davon Betroffenen zu bedrohen.

Antifeminismus ist ein verbindendes Element in rechtsextremen Gedankenwelten. Er weist Zusammenhänge mit Antisemitismus in Ressentiments und politisch-ideologischen Vorstellungen auf.

Neben der Misogynie – einer Vorstellung, die Frau sei in ihrem Sein bereits minderwertig, ist es die Frauenfeindlichkeit, die in bewussten Handlungen und politischen Praktiken darauf abzielt die Diskriminierung von weiblich gelesenen Personen in die Tat umzusetzen. Der Antifeminismus steht für eine unmittelbare Abwehrreaktion auf Emanzipationsansprüche.

Emanzipationsansprüche von weiblich gelesenen Personen werden von Antifeministen, wie es der Mörder und Attentäter von Halle ist, deshalb so vehement abgelehnt, weil sich ihre Definition von Weiblichkeit an männlichen Bedürfnissen zu orientieren hat und dies zu erhalten gilt.

Weibliche Personen haben eine ihnen von Männern zugewiesene Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Die Funktion weiblicher Personen liegt in männlicher Bedürfnisbefriedigung und im Gebären, rechtsextreme, völkische und auch christliche Antifeministen fordern explizit, dass weibliche Personen mit Uterus  selbigen der Produktion von möglichst vielen Volkskörpern zur Verfügung zu stellen haben, um den von ihnen herbeifantasierten „Volkstod“ zu verhindern.

Gestützt werden antifeministische Forderungen auch durch die Bundesrepublik selbst, mit dem Paragraphen 218, nach dem weibliche Personen nicht straffrei und selbstverantwortlich über ihren Uterus und Körper bestimmen dürfen.

Antifeministen glauben ihre heteronormative Vorstellung von der auf 2 Geschlechter begrenzte Geschlechterrollendifferenzierung vor dem Feminismus, also vor emanzipatorischen Ansprüchen in Schutz nehmen zu müssen.

Das Gendern in Schrift und gesprochenem Wort lehnen sie ab. Weiblich gelesene Personen und Geschlechtervielfalt sollen, wenn es nach Antifeministen geht, nicht sichtbar werden und unmündig bleiben. Quotenforderungen in Aufsichtsräten und Chef_innenpositionen werden lächerlich gemacht und vehement verhindert. Gleiche Löhne bei gleicher Leistung? Soll das ein Witz sein?

Antifeministen wollen keine Gleichberechtigung von Frauen und Männern, um mal in ihrer 2geschlechtlichen Definition zu bleiben. Antifeministen wollen männliche Vorherrschaft, wollen kein „Für Alle“, wollen nicht, dass demokratische Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität für mehr als Männer gelten.

Weiblich gelesene Personen und LGBTIQ*, die demokratische Werte emanzipatorisch für sich zu beanspruchen versuchen, werden von Antifeministen sowohl öffentlich als auch verdeckt sexistisch lächerlich gemacht, bedroht, psychisch und physisch attackiert und getötet.

Die Vergewaltigungs- und Morddrohungen, unterschrieben vom “NSU2.0”, verschickt an Anwält_innen, Journalist_innen, Kabarettist_innen und  Politiker_innen, – die gezielten Attacken von Rechtsextremisten und Antisemiten, auch aus der Verschwörungsszene, auf weiblich gelesene Wissenschaftler_innen  und  Fridays-For-Future-Aktivist_innen, – die jährlich stattfindenden sog. „Märsche fürs Leben“ in Münster und Berlin, veranstaltet von Holocaustrelativieren und mitgetragen von christlichen Fundamentalist_innen und AfD-Politiker_innen, die um jeden Preis verhindern wollen, das weiblich gelesene Personen mit Uterus über sich selbst bestimmen, – die in der Presse, von der Polizei, der Justiz und in der Öffentlichkeit als „Beziehungstaten“ verharmlosten Vergewaltigungen, Körperverletzungen, Stalking und Femizide an weiblich gelesenen Personen in heterosexuellen Beziehungen, –  homophobe und sexistische Aussagen, zuletzt öffentlich geworden, von Friedrich Merz, Serdar Somuncu und Christian Lindner.

Das alles sind Beispiele für Antifeminismus. Sie machen deutlich, dass der Antifeminismus, wie auch der Antisemitismus, in allen gesellschaftlichen Spektren vorkommt, nicht nur im Rechtsextremismus.

Ja, der rechtsextreme Attentäter von Halle ist einer dieser Antisemiten, Rassisten, Sexisten und Antifeministen. Er hat auf Grundlage dieser menschenverachtenden Motive im Oktober letzten Jahres jüdische und nicht-jüdische, migrantische, weibliche Personen und Menschen, die er zu ihrem Umfeld gezählt hat, angegriffen, versucht zu töten, psychisch und physisch verletzt und 2 Menschen ermordet. –

Was ist unsere Antwort als Gesellschaft darauf?

Wir sind aufgefordert, auch und gerade angesichts der Verbrechen von Halle im Oktober 2019, die politisch-ideologischen Vorstellungen und Ressentiments, die Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Antifeminismus verbinden, ernst zu nehmen!

Denn sie haben ein starkes Gewalt- und Radikalisierungspotenzial gemeinsam – bis ins Lebensbedrohliche und Mörderische hinein!

Nicht der immer wiederkehrende Ruf nach mehr (!) Polizei und mehr (!) Staat schützt unsere Gesellschaft angesichts rechtextremer Angriffe.

Wir haben es aus den Worten der Betroffenen heute, hier, gehört: Die Angegriffenen mussten erfahren, das ihnen die zustehende Hilfe und Unterstützung von staatlicher Seite verwehrt oder erschwert wurde. Die Bitte der jüdischen Gemeinde Halle um Polizeischutz an Jom Kippur letztes Jahr, wurde von der Polizei als „ nicht notwendig“ abgelehnt.

Wir fordern die deutsche Polizei auf: Gebt jüdischen Gemeinden in Halle, in Köln und überall, den Schutz, den sie von euch zurecht einfordern!

Von Halle geht ein Zeichen aus für den Kampf gegen Antisemitismus, gegen Rassismus und für Feminismus und für mehr Solidarität.

Die Beispiele von Solidarität der Angegriffenen von Halle für- und untereinander, haben Vorbildcharakter für uns alle!

Die jüdische Studierendenunion Deutschland hat eine Spendenaktion für den Erhalt des kurdischen „Kiez Döner“s ins Leben gerufen.

Das Ehepaar im nahegelegenen Wiedersdorf, das vom Attentäter auf dessen Flucht von ihm angeschossen wurde und die Polizei im Notruf 110 erst überzeugen (!) musste, die Erste Hilfe zu schicken, erhielt von staatlicher Seite keine Unterstützung. Sie werden aber bis heute von der Opferinitiative „Weißer Ring“ betreut und bekamen von einem selbst angegriffenen Mitglied der jüdischen Gemeinde aus Halle praktische Hilfe, um dem Schrecken des Tatorts für eine gewisse Zeit den Rücken zukehren zu können.

Auch von der gemeinsamen Erklärung der Betroffenen, die als Nebenkläger_innen im Prozess auftreten, geht ein starkes Signal aus für emanzipatorische Solidarität, der den Rechtsextremismus und seine Akteur_innen schwächt, zurückdrängt und handlungsunfähig werden lässt.

Antifaschismus und Solidarität müssen praktisch werden!

Eine Gesellschaft, die demokratische Werte verteidigen will, eine Gesellschaft, die aufstehen will gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Antifeminismus, benötigt dafür Sensoren und Werkzeuge. Sensoren, um die Feinde unserer Grundwerte von Freiheit, Gleichheit und Solidarität früh zu erkennen – Werkzeuge, um weitere mörderische Absichten unmöglich zu machen!

Antifaschismus, Feminismus und Solidarität sind notwendige Werkzeuge unserer Gesellschaft! Sie machen uns handlungsfähig und schützen uns vor Angriffen auf die Demokratie und auf alle in ihr Lebenden.

 

Wir gedenken der Ermordeten in Halle und solidarisieren uns mit allen Verletzten und Angegriffenen!

 

Wir vergessen nicht – wir vergeben nicht!

 

Für Emanzipation! Für Feminismus! Gegen jeden Antisemitismus!

PRESSEMITTEILUNG
Köln, 04.10.2020

“Wer Antisemitismus, Sexismus und Antifeminismus oder Rechtsextremismus früh erkennen und unmöglich machen möchte, benötigt Sensoren. Halle macht einmal mehr deutlich, dass die deutsche Gesellschaft nicht über die notwendigen Werkzeuge hierfür verfügt,” sagt Maxi Hellfeldt für das Rheinische Antifaschistische Bündnis gegen Antisemitismus (RABA).

Wir senden Ihnen unten folgend den gemeinsamen Aufruf zu einer Kundgebung im Gedenken an den Anschlag auf die Synagoge von Halle an Jom Kippur vom 9. Oktober 2019, die am 8. Oktober 2020 auf dem Bahnhofsplatz in Köln stattfindet, zu der wir gemeinsam mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Köln und der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V aufrufen.

“Die Ideologie des Täters fällt nicht vom Himmel. Dennoch konnte sich der Rechtsterrorist wie in offenbar Deutschland üblich, Jahrzehnte lang unbehelligt und akzeptiert in einer Gemeinschaft bewegen. Eine Gemeinschaft, die selbst die mörderische rechte Ideologie meinte aushalten zu können, bagatellisierte oder sogar begrüßt hat. Als der im Gemeinschaftsgefühl erglühete Antisemit, Sexist und Antifeminist und Rassist vor der Synagoge vorfuhr, war es erst der Selbstschutz der gut organisierten jüdischen Gemeinde in Halle, welche dem Rechtsterroristen Grenzen aufzeigte.

Ein Selbstschutz aus Erfahrung und traditioneller Notwendigkeit. Denn die lebensbedrohliche Situation für Menschen jüdischen Glaubens ist in Deutschland “Leitkultur”. Die jüdische Gemeinde erfuhr keinen Schutz der Sicherheitsbehörden des Staates, an den sie sich in ihrer Situation und vor Yom Kippur gewandt hatte. Unsere Lebenserfahrung ist, dass auf Behörden und Staat kein Verlass ist, wenn es um die Rechte und Anerkennung von Jüdinnen und Juden, Menschen mit Migrationshintergrund, Schwarzes Leben, Geflüchtete sowie queeres Leben und weiblich gelesene Personen geht. Deshalb wollen wir uns nicht in die Jahrzehntelangen Appelle einreihen, die immer mehr Polizei und Staat fordern. Wir fordern eine Gesellschaft, in der Demokratie wehrhaft ist und die emanzipatorischen Rechte durchgesetzt werden vor den Feinden von Freiheit, Gleichheit und Solidarität,” fordert Maxi Hellfeldt für RABA.

KUNDGEBUNGS-AUFRUF

KEIN VERGESSEN – KEIN VERGEBEN!
GEDENKEN AN DIE OPFER DES
ANSCHLAGS VON HALLE

08.10.2020 | 17:30 | Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs

Am 09.10.2020 jährt sich erstmalig der rechtsterroristische Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale). Anlässlich dieses Jahrestages rufen wir am Vorabend, dem 08.10.2020, ab 17:30 Uhr auf dem Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs zu einer Kundgebung auf, um der Ermordeten zu gedenken und den Überlebenden gegenüber unsere Solidarität auszudrücken

Die jüdische Gemeinde in Halle entging an Jom Kippur nur knapp einem Blutbad. Der Anschlag war lange geplant und wurde live ins Internet gestreamt. Dass die 52 Besucher*innen der Synagoge überlebten, verdanken sie dem Selbstschutz der jüdischen Gemeinde in Form einer massiven Holztür, nicht aber den staatlichen Behörden. Denn obwohl von ihnen zum hohen Feiertag mehrfach um Polizeischutz gebeten wurde, blieb dieser aus. Auch als die Polizei von den Besucher*innen wegen des Anschlags alarmiert wurde, benötigte sie beinahe 15 Minuten, bevor sie am Tatort eintraf. Auch deshalb forderte der Anschlag Menschenleben. Die Passantin Jana L., die den Täter auf die laute Explosion ansprach, sowie Kevin S., der gerade Gast im kurdischen Imbiss „Kiez Döner“ war, wurden kaltblütig ermordet. Die Mitarbeiter*innen des Imbiss sowie weitere Gäste, ein Kurierfahrer an der Synagoge, ein Passant mit somalischem Hintergrund und ein Ehepaar, das dem Täter seine Autoschlüssel nicht aushändigen wollte, überlebten verletzt — zum Teil schwer.

In Halle mag es sich um einen Einzeltäter gehandelt haben, doch keineswegs um einen Einzelfall. Der Attentäter Stephan B. bewegte sich in einem global verbandelten und im Internet agierenden Netzwerk von Neonazis, die nicht nur Antisemitismus und Rassismus eint, sondern auch ihr Sexismus und Antifeminismus. Der Anschlag von Halle wie auch der von Hanau stehen in einer jahrzehntelangen Tradition neonazistischer
Organisation und Gewalt in Deutschland. Weder hat der Antisemitismusnach der Shoah plötzlich aufgehört zu existieren, noch ist der Rassismus überwunden, der sich insbesondere in der frühen Nachwendezeit, aber auch in den letzten Jahren, immer wieder gewaltsam entlud. Dabei zeigen aktuelle Entwicklungen auch ein Jahr nach dem Anschlag von Halle, wie folgenlos die Beteuerungen aus Politik, Medien und Teilen der Zivilgesellschaft verhallt sind. Insbesondere der Antisemitismus hat im Zuge der großen Proteste gegen die
Corona-Maßnahmen der Bundesregierung Hochkonjunktur.

Beim Anschlag in Halle vor fast einem Jahr wurden zwei Menschen viel zu früh aus ihrem Leben gerissen und ihre Familien sowie Freundinnen und Freunde trauern noch immer. Auch die Überlebenden werden die Tat und die Angst, die sie fühlten, nicht vergessen. Darüber hinaus hat die Tat auch bei Angehörigen anderer jüdischer Gemeinden ihre Spuren hinterlassen. All diesen Menschen gilt unsere Solidarität. Wir fordern daher dazu auf, gemeinsam der Opfer des Anschlags von Halle zu gedenken und damit ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft zu setzen.

Aufruf von:

_Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit_
_Deutsch-Israelische Gesellschaft Köln_
_Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus_
_Bündnis gegen Antisemitismus Köln_
_Antifaschistische Gruppe CGN_

Köln für Freiheit/Köln Aktiv und Neonazis

Eine besorgniserregende Vermutung bestätigt sich nun: “Köln für Freiheit/Köln Aktiv” macht schon seit langem gemeinsame Sache mit Neonazis! Nun mobilisiert der verschwörungsideologische Zusammenschluss aus Köln auch noch zu einer Veranstaltung von “NRW stellt sich Quer” (NssQ) in Essen anlässlich eines geplanten Auftritts von Angela Merkel. Die Werbung für die neonazistische Gruppierung durch Bianca Pfaffenholz überrascht nur jene, die ihr die inszenierte Selbstverharmlosung samt Umhängetafel „gegen Rassismus“ abgenommen haben.

Stefanie Charlotte „Steff“ van Laak, die als „Kopf“ der Kleinstgruppierung NSSQ gilt, „unterhält enge Kontakte zur Bruderschaft Deutschland, gegen die unlängst erst eine Razzia stattfand.”(bnr.de) Sie arbeitet laut eigener Aussage mit dem Rechtsextremisten Dominik Roeseler (HoGeSa Mitbegründer) politisch eng zusammen.

Laut dem nordrhein-westfälischen Landesverfassungsschutz sind Roesler und sein Verein „Mönchengladbach steht auf“ Brückenbauer zwischen Rechtsextremisten, rechtsradikalen Hooligans, Rockerähnlichen Gruppen und „Bürgerwehren“ wie die „Bruderschaft Deutschland“ aus Düsseldorf oder die „Steeler Jungs“ aus Essen. Im NRW-Verfassungsschutzbericht 2019 wird ausführlich auf diese „Mischszene“ eingegangen und vor deren neuer Vernetzung untereinander sowie mit anderen Protestmilieus gewarnt,“ so BNR.de. Auch der rechte Funktionär Carsten Jahn (Team Heimat, ehem. NPD) zählt zu diesem Netzwerk rund um NSSQ.

„NRW stellt sich quer“ besitzt in der Szene nach Einschätzung des Journalisten Michael Klarmann kaum Relevanz und ist seit längerem relativ isoliert bei der Organisation eigener Aktionen.
Durch die Mobilisierung über die Kölner “Querfront”-Struktur legt der Orgakreis um Pfaffenholz nun erstmal die aktive Zusammenarbeit mit Neonazis offen. Dies zeigt, wo der Kölner Corona-Zusammenschluss um Pfaffenholz, Dea Heibel und den Restposten ehem. Kölner Friedensmahnwichtel wie Ottmar Lattorf, Johanne Liesegang oder Marc B. politisch zu verorten ist. Neonazistische Kameradschaften u.a. der Bruderschaft Deutschland erschienen bereits im April auf Demonstrationen und Aktionen von “Köln für Freiheit” (RABA berichtete). Auch diverse rechtextremistische YouTuber_innen wie Oliver Flesch, Yennyfer I. oder Oliver “83metoo” H. nahmen daran teil, zu denen Bianca Pfaffenholz ebenfalls Kontakt aufbaute um sich zu vernetzten. Flesch beispielsweise drohte vor seinem Erscheinen auf der Veranstaltung mit Gewaltanwendung gegenüber Antifaschist_innen und griff ersts kürzlich in Dortmund den bekannten Fotojournalisten “Korallenherz” auf einer Demonstration an.

Die mittlerweile offenkundige Verortung in der neonazistischen Mischszene macht eine kritische Beobachtung und Begleitung der Kölner “Querfront” weiterhin unabdingbar.

Antisemitische und verschwörungsidologische Nachrichten von Ice Cube

Ice Cube “dreht durch”, “provoziert”, oder postet “im Eifer des Gefechts”… die deutsche Musikpresse legt sehr viel Verständnis für antisemitische und verschwörungsideologische Aktivitäten des US-amerikanische Rappers und Schauspielers O’Shea “Ice Cube” Jackson (u.a. N.W.A.) an den Tag. Dieser veröffentlicht “antisemitischen Posts und russischer Propaganda”.[1] “Ein paar Ice Cube-Follower weisen den Rapper auf Twitter daraufhin, dass er gleich mehrere ziemlich bekannte antisemitische Memes postet. Die basieren beispielsweise auf dem antisemitischen sowie rassistischen Verschwörungsmythos, dass Menschen jüdischen Glaubens den weltweiten Finanzmarkt kontrollieren würden,” berichtet Hip-Hop.de[2]
Ice Cube postete zuerst ein Bild mit der Aussage, Jüdinnen*Juden seien nicht Sklav*innen in Ägypten gewesen (cf Pessah). Ein weiteres getwittertes Foto zeigt eine antisemitische Wandmalerei. Darauf zu sehen: Eine Gruppe karikierter jüdischer Businessmänner an einem Monopoly-Spielfeld, dass von schwarzen Männern auf dem Rücken getragen wird. Darauf zu lesen: „Alles, was wir tun müssen, ist aufzustehen, und ihr kleines Spiel ist vorbei.”[3] Ice Cube spielt hierdurch Schwarze gegen Jüdinnen*Juden aus, indem er den “Raub” schwarzer Geschichte konstruiert: Die wirklichen Sklav*innen in Ägypten seien Schwarze gewesen. Dies vertreten auch Black Hebrew Israelites, die sich als die legitimen Nachfolger*innenn sehen. Ein Anhänger der Black Hebrew Israelites hat im Dezember 2019 einen antisemitischen Anschlag in New Jersey verübt.
Wenige Tage später teilte er ein Bild mit einem schwarzen Würfel in der Mitte eines jüdischen Davidsterns. Die Darstellung geht auf eine Verschwörungsideologie zurück, wonach die “drei großen Religionen, einschließlich des Judentums, von Formen auf der Oberfläche des Planeten Saturn beeinflusst wurden,” schreibt das Rolling Stone. Der “Schwarze Würfel des Saturn” ist Teil eines mit dem Judentum unvereinbaren Kultus.[5] Die kultische Verehrung des Saturns wird mit der Fraternitas Saturni[6] in Verbindung gebracht. Die Fraternitas Saturni ist eine Loge, die im Gegensatz zum Mainstream-Freimaurer*innentum okkulten Minderheitenpraktiken folgt. Logen, als Geheimgesellschaften, bilden die jüdisch-freimaurerische Grundachse antisemitischer Verschwörungsideologien. Der Schwarze Würfel des Saturns, den Ice Cube in einem magen david gezeichnet postete, wird als Zeichen dieser Achse an verschiedenen Orten, aber auch in Gegenständen wie tefillin eingebildet. Ice Cube verbindet eindeutige Bilder miteinander.[7]
 
Quellen:
[1] Rolling Stone [RS]: https://www.rollingstone.de/ice-cube-antisemitische-posts-russische-propaganda-1993243/
[2] Hip-Hop.de: https://hiphop.de/magazin/news/ice-cube-dreht-durch-twitter
[3] Veröffentlicht am 6. Juni 2020 via Twitter
[4] RS
[5] https://forward.com/news/448548/ice-cube-twitter-memes-anti-semitic/
[6] Eine Übersicht zu Fraternitas Saturni bietet Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Fraternitas_Saturni
[7] https://www.nicholson1968.com/nicholson1968s-post/saturn-worshipthe-black-cube
 

Statement von RABA zu den derzeitigen Can´t Breathe Protesten

Derzeit hat eine Protestwelle viele Länder erreicht, ausgehend vom rassistischen Mord begangen von Polizisten an George Floyd. Während sich antifaschistischer Protest entlädt, marschieren Milizen auf und bedrohen die Protestierenden mit dem Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Vielen in Deutschland dienen die USA als Projektionsfläche für die Unzufriedenheit mit der eigenen Lage, gegen den Kapitalismus, die Polizeigewalt und den Rassismus.

Die Genossinnen und Genossen in den USA – mit denen wir uns solidarisch erklären – sind nicht auf unsere Ratschläge angewiesen.

Polizei und Rassismus gehören zusammen und wir sind gut damit beraten, zunächst vor unsere eigene Haustür zu schauen!

Wir gedenken George Floyd und wir erinnern an

  • die von rassistischen Weltbildern geleiteten polizeilichen Ermittlungen bis zur Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrundes NSU,
  • Oury Jalloh in Dessau und Amad Ahmad in Kleve verbrennen in Polizeigewahrsam,
  • das Racial Profiling und die flächendeckende Videoüberwachung in vorwiegend von Migrant_innen belebten Stadtteilen und Orten,
  • die vielen rassistischen Alltagserfahrungen von People of Colour,
  • die Situation Geflüchteter hierzulande und an den EU-Außengrenzen
  • aber auch die Unterschätzung des rechten Terrorismus und seine systematische Verharmlosung durch die Gleichsetzung mit antifaschistischer Arbeit (#Hufeisenideologie).

Diese Beispiele zeigen die Vielfältigkeit und Verwurzelung von Rassismus und Polizeiarbeit im Land der “Einzeltäter_innen” – Deutschland.

In den USA marschieren seit dem Corona-Ausbruch rechte Milizen auf und sehen nun einen Moment gekommen, um vielleicht einen Bürger_innenkrieg zu provozieren. Sie ahnen, dass sie mit Donald J. Trump im Rücken nicht die schlechtesten Karten für ihre Gewalt- und Mordphantasien haben.

In Köln gibt es extrem rechte Formationen wie Combat18, die Anlass zur Sorge geben und auf den TagX warten. Doch auch im Spektrum von AfD und CDU gibt es Anzeichen von bewaffnetem Widerstand: Hans-Josef Bähner, Politiker der CDU aus Porz, rief einem Menschen rassistische Sprüche hinterher und schoss ihm in den Rücken. “Junge Alternative” Mitglieder der AfD Bezirk Köln nahmen unter Anleitung von Franz Pesch (AfD Rhein-Erft-Kreis) an einem Schießtraining teil. Anschließend posierten Mitglieder mit Zielscheiben, berichtet wurde von einem “Mordsgaudi” daneben war ein Conterfeit von Henriette Reker aus der “Reker muss weg”-Kampagne der AfD abgebildet. In dieser Hetz-Kampagne wird auch das antisemitische Muster deutlich, Probleme zu personfizieren.

Es sollte uns zu denken geben, wenn wir uns in Solidarität mit den Opfern von Rassismus auf die Straße begeben und so tun, als wenn das Problem Polizeigewalt und Rassismus dadurch gelöst wäre, wenn Donald Trump seines Amtes enthoben wäre. Polizeigewalt und Rassismus bestehen nicht erst seit Donald Trump, Horst Seehofer oder Herbert Reul.

We‘re not black, but we see you.
We‘re not black, but we hear you.
We’re not black, but we mourn with you.
We’re not black, but we will fight with you.

 

RABA – Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus

Köln, 06.06.2020

Keiner von uns! Zum rechten Esoteriker, Sektierer und Pseudo-Feministen Ottmar Lattorf

Ottmar Lattorf taucht bei mehreren Querfront-Demonstrationen der Verschwörungsideolog_innen in Köln auf.

Ottmar Lattorf am 23. Mai 2020 auf einer “Hygiene”-Querfront-Demo in Köln, Deutzer Werft.

Die Gefährlichkeit einer Mischszene aus Verschwörungsaktivist_innen, Rechtsextremen, Realitätsverleugner_innen, Esoteriker_innen und vorgeblichen Wutbürger_innen verdeutlicht sich im Minutentakt in den bundesweiten “Hygiene-“Kundgebungen gegen die Coronaschutzmaßnahmen. Daher ein paar Hintergründe zur Person Lattorf als einer von vielen sich selbst zum Teil “politisch grüner, linker und extrem linker Kräfte” zählenden Figuren Kölns.[1]

Ottmar Lattorf ist ein seit knapp 40 Jahren in Köln-Zollstock ansässiger Aktivist. Er wird der esoterischen Szene zugerechnet und betreibt von seiner Wohnung aus die “Naturschutz-Initiative Natur, Bildung und Soziales, Bürger informieren Bürger e.V.” (NaBiS), die er als Ein-Mann-Verein, gelegentlich erweitert durch andere Esoteriker_innen, betreibt. Erst kürzlich machte der “Lebenskünstler, Hobbymusiker und Langzeit-Revolutionär”[2] Schlagzeilen. Die Bäume am Bonner Wall sollten vor dem Fällen gerettet werden, Menschen kletterten zum Schutz auf die Bäume und Lattorf ließ sich als “Sprecher einer Bürgerinitiative aus Raderberg” in den – wie er sie nennt – “Massen-Medien” zitieren.[3]

Zu Ottmar Lattorfs Werdegang, so wie er ihn in einem verschwörungsideologisch-esoterischen Magazin darstellte: Er sei “Sohn eines Hirten. […] Der 1960 erstgeborene Ottmar verbrachte, wie er es augenzwinkernd ausdrückt, Kindheit und Jugend in einem »Matriarchat«, bestehend aus sechs Schwestern, der Mutter und lauter weiblichen Tieren, bis zuletzt ein jüngerer Bruder geboren wurde. Der Vater, ein Improvisationskünstler, Komiker und „ausgezeichneter Geschichtenerzähler“, war wohl die Hälfte der Zeit auf der Weide […].”[4] Nach der Hauptschule habe Lattorf Abitur im dritten Anlauf gemacht und studierte schließlich in den 1980er Jahren Lehramt mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaften. Dieses Studium brach er ab. Danach begann er mit autodidaktischen Vorträgen „Lehre und Forschung auf eigene Faust“ über Wilhelm Reich, über “das Patriarchat“ sowie über „Hexenverfolgung”. Seine Vorträge bewarb er 1986[5] in dieser Weise: „’Die Welt war nicht immer so!’ Meine Frage war, warum ist die Welt, so, wie sie ist? Mein ganzes Leben lang habe ich mich auf diese Frage und alles damit Zusammenhängende konzentriert und kam zu einer Reihe von Antworten. Hier liegt nun ein Überblick über die Themen vor, über die ich berichten kann.“

Bereits Anfang der 1980er Jahre stilisierte sich Lattorf als linker Wilhelm Reich-Nachfolger. Er hielt zu ihm bundesweit Vorträge, wobei bereits seinerzeit die esoterischen und verschwörungsideologischen Instrumentalisierungen des freudomarxistischen Psychoanalytikers Reich überwogen. Auch pflegte Lattorf Beziehungen zu Bernd Willfried Senf (damals Volkswirtschaftler an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR)), dem antisemitische Zinskritik vorgeworfen wird und der sich, ebenso wie Lattorf, auf Reich bezieht.[6] Lattorf selbst referierte über Reichs parawissenschaftliche “Orgonforschung”[7] und publizierte in der Zeitschrift „emotion“.[8] Zehn Jahre lang konnte Lattorf an Senfs Wirkungsstätte, der Außenstelle der HWR, referieren.

Handout zur Veranstaltung mit der Fachschaft Medizin an der Universität zu Köln, 1993.

Als das Virus HIV weltweit bekannt wurde und große Ängste auslöste – 1981 wurde AIDS als eigenständige Erkrankung von der WHO anerkannt – leugnete Lattorf dessen damals noch häufig tödliche Dimension in seinen Texten, Vorträgen und Veranstaltungen, z.B. gemeinsam mit der Fachschaft der Medizin an der Universität zu Köln [9]. „Warum AIDS keine ansteckende Krankheit sein kann“, lautete sein Vortragstext. Diesen reicherte er bereits seinerzeit mit verschwörungsideologischen Welterklärungen über „die Medien“ an: „Über die Inszenierung von Realität durch die MassenMedien“ überschrieb er seine Vorträge; hier ist vom „manipulierte[n] Konsens“ und von „Denkkontrolle in einer demokratischen Gesellschaft“ die Rede. „Also nicht der Virus war die Gefahr für die Gesundheit, es waren „die Medien“.

AIDS, Vogelgrippe und Corona

Bei Fragen zu Themen wie der Vogelgrippe oder AIDS hat Lattorf krude Thesen in seinem Portfolio, z.B.: “Warum AIDS keine ansteckende Krankheit ist”[10]. Ohne auf die sich selbst gestellte Frage einzugehen und frei von Quellen oder Belegen, heißt es darin lapidar: “Doch das schulmedizinische Establishment und die Pharmazie ziehen es vor, jegliche Diskussion über die Ursachen von AIDS und über alternative Erklärungen zu vermeiden. (…) Tatsächlich werden Riesen-Profite mit einem medizinischen Irrtum und einer Angst–Kampagne gescheffelt.” Übrigens: Ein solches Argumentationsmuster verkürzter Kapitalismuskritik keimt derzeit wieder auf. Zu finden in Teilen von Linken, die sich dem Spektrum der Corona-Leugnung zugewandt haben und querfrontig neue Kooperationspartner_innen gegen „das Böse“ suchen.

Ottmar Lattorf, der keine medizinische Ausbildung durchlaufen hat [11], sagt: “Ich kann in manchen Fällen medizinische Beratungen durchführen oder zu einer solchen kostengünstig verhelfen.”[12]

9/11-Verschwörungsideologie

Wenige Jahre später weitete er seine Verschwörungsbeiträge und -vorträge auch auf den islamistischen Terroranschlag vom 09. September 2001 auf das New Yorker World Trade Center aus. Er trat nun als Anhänger von abstrusen 9/11-Verschwörungsideologien auf und organisierte beispielsweise in einer Kölner Kirche Vorträge mit dem ehemaligen SPD-Bundesminister für Forschung und Technologie Andreas von Bülow.[13] Nach dessen Ausscheiden aus dem Bundestag hatte sich dieser mit befremdlichen Vorträgen über Geheimdienste und über den islamistischen Terroranschlag hervorgetan. Das Feindbild waren bei beiden die USA. Lattorf war 2001 unter den Ersten, welche Verschwörungen zu 9/11 verschriftlichten. Das Neonazi-Fanzine aus dem Ruhrpott “Der Förderturm” zitierte damals Lattorfs krude Ansichten. 2002 war dort mutmaßlich eine Geldspende des NSU eingegangen.[13n] Die Absurdität von Lattorfs Unterstellungen zu 9/11 mit einer gleichzeitigen Verhöhnung von Frauen* wird deutlich in einer “Kosten-Nutzen-Abwägung”: [ACHTUNG, TRIGGERWARNUNG! ] “Warum hat man für die Untersuchung dieses Verbrechens weniger Geld ausgegeben (8 Mio. Dollar), als für die Untersuchung des Spermaflecks auf Monica Lewinskis Unterhose (40 Mio Dollar)?”[14]

Hexenverfolgung und Verharmlosung der Shoah

In einem seiner Vorträge zum Thema “Wer verfolgte die Hexen-Hebammen und warum? Oder Über den Einbruch der sexuellen Zwangsmoral in Europa” gibt Lattorf Tipps für “pflanzliche Verhütungsmittel”[15] und führt aus, dass die “Hexenverfolgung” als “Krieg gegen die Geschlechtslust der Frauen” geführt worden und diese ein “500 Jahre dauernder Holocaust an einheimischen Frauen” gewesen sei. Mit der Verwendung des Begriffs “Frauen-Holocaust” reiht sich Lattorf in die Riege jener Autor*innen ein, die seit den 1970er Jahren die Shoah an den Jüdinnen und Juden mit der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung vergleichen. Dort werden u.a. Überbietungswettbewerbe angestellt: die Opferanzahl und Dauer der Hexenverfolgung übertreffe bei weitem die der Shoah. Die Quellen und Zahlen, die dies belegen sollen, sind geschichtswissenschaftlich widerlegt und als falsch erwiesen. So wie Lattorf, der einen “Holocaust an einheimischen Frauen” und dessen “Auswirkungen  auf  das  Abendland und  unser  heutiges  Leben” herbeischwadroniert, geht er völkisch-ideologisch Hand in Hand mit der deutschen Autorin Erika Wisselinck, die in einer eigenen Studie von 1986 die Werke Hexenhammer mit Mein Kampf verglich und sich auf die rechtsextreme Esoterikerin Mathilde Ludendorff aus dem Jahr 1934 stützte.

Lattorf bewirbt seinen o.g. Vortrag (“erstmals 1991 gehalten”) mit der Ankündigung, er referiere über “Neuere und Disziplinübergreifende Forschungen”, die “zu einer sehr viel plausibleren Geschichtsauffassung” kämen als die “populären Geschichtsbücher”. Seine Wissenschaftsleugnung gipfelt schließlich in der Selbstüberschätzung, die vorgetragenen “tatsächlichen” Erkenntnisse seien “selbst vielen Historikern und Soziologen kaum bekannt.”[16]

Die an Rechtsextreme anschlussfähige Dimensionen seines Phantasierens und Agierens wurden bereits vor 35 Jahren gelegt. Über Lattorf heißt es: “Berührungsängste kennt er nicht”[17] und so überrascht es nicht, dass er auch Unterstützungen für die rassistische AfD-Hetzkampagne “Migrationspakt stoppen” [18] oder Zitate von FPÖ-Politiker Herbert Kickl[19] über seinen internen Verteiler verbreitet.

Antifeministisches, völkisches und rechtsextremes Konstrukt

Lattorfs Beschäftigung mit der Kulturgeschichte der Frauen und seine Kritik am Patriachat kommt als vermeintlicher Feminismus daher, entpuppt sich aber bei genauerer Betrachtung als biologistisch ausgerichtetes, völkisches, ethnopluralistisches und damit antifeministisches und rechtsextremes Konstrukt. Er stützt seine Ausführungen auf die Theorien Wilhelm Reichs, wie der Entdeckung des Orgon (Wortkreation aus Orgasmus und Organismus), kurz einer Theorie bestehend aus esoterischen Energievorstellungen und der Behauptung, würden sexuelle Triebe nur durch eine sexuelle Befreiung nicht mehr gesellschaftlichen Zwängen unterworfen sein, könnten alle Neurosen behoben werden. Diese von Reich entwickelte Theorie der  Triebbefreiung, dessen stetige und für ihn allein gültige Predigt dazu führte, dass er als Schüler von Sigmund Freud, von diesem verstoßen wurde und dies schließlich im Ausschluss 1934 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) endete, hat mit heutigen linksradikalen feministischen Forderungen nichts mehr gemein. Wurde diese Theorie noch in der 68er-Bewegung genutzt, um die sexuelle Revolution voranzutreiben und „freie Liebe“ zu propagieren, sieht die feministische Theoretikerin Shulamith Firestone, bei Wikipedia als Protagonistin des feministischen Freudomarxismus (nach Wilhelm Reich) geführt, in der sexuellen Revolution „keine Verbesserung für Frauen“. Vielmehr habe sie sich als „wertvoll“ für Männer erwiesen, um sich ein „neues Reservoir an“ sexuell „verfügbaren Frauen“ zu schaffen.[20]

Lattorf geht neben diesen rein biologistisch ausgerichteten Ansätzen noch weiter. In seinen „Erkenntnissen“, die er immer wieder mit den Schlagworten “disziplinübergreifender Wissenschaften“ versucht zu bewahrheiten, mischt er munter, zumeist wissenschaftlich nicht haltbare Theorien und setzt kausale Zusammenhänge, zum Teil anachronistisch, wo keine sind. Ein Stilmittel, das alle Verschwörungsideologien ausmacht. So berichtet er „über eine anthropologische höchst interessante und  Disziplinübergreifende  Arbeit von Dr. James DeMeo“.[21] Der Geograph DeMeo versucht in eigenen empirischen Forschungen zu belegen, dass patriarchale Strukturen ursprünglich (4000 v.Chr.) aus Kulturen der Sahara, Naher/Mittlerer Osten und Zentralasien stammen und durch Wanderbewegungen die Regionen Ozeanien und die Neue Welt, angeblich bewohnt von matristischen, friedfertigen und partnerschaftlichen Kulturtypen, überlagert hätten.[22]

Lattorf sieht hier gemeinsam mit der Hexenverfolgung die historische Herleitung für die Unterdrückung der Frau. Er setzt aus einer “sexuellen Zwangsmoral in Europa”, „patriarchalen Eroberungen“ durch andere Kulturen und der Hexenverfolgung als „Holocaust an einheimischen Frauen“ ein Scheinbild seines Interesses für Frauenemanzipation zusammen. Unter Vorgaukeln derlei Interesses wurde pseudofeministisch bei den Alt-68er männlichdominant die sexuelle Revolution propagiert, wird rassistisch pseudofeministisch von der Identitären Bewegung, Pegida und der AfD nach der “Kölner Silvesternacht” 2015/16 eine Gefahr für deutsche Frauen durch Migration konstruiert, wird der Ethnopluralismus von der Neuen Rechte gefordert und Holocaustleugner_innen bedienen sich durch Verharmlosung und Relativierung der Shoah solcher Stilmittel.

Lattorf, die rechte Querfront und Corona

Lattorf beteiligt sich an der Mobilisierung zu Querfront-Demonstrationen von Corona-Leugner_innen und ruft aktiv zur Teilnahme per E-Mail-Verteiler auf. Dieses Umfeld aus Verschwörungsideolog_innen, Impf-Gegner_innen und Antisemit_innen entspricht ihm. In seinem Aufruf zur Demo verlinkt er auf YouTube-“Eindrücke” von der extrem rechten Aktivistin Lisa “Licentia” H., (Ex-Identitäre Bewegung, extrem rechte Vloggerin und Aktivistin, Teilnehmerin vom AfD-Medienkongress u.a. mit Ulrike Haupt/Widerstand steigt auf), die sich den Anschein einer rechten “Feministin” gibt. Lattorf spricht von einem angeblich stattgefundenen Angriff auf sie, versehen mit der Behauptung, dass sie Journalistin sei, und übernimmt auch noch die rechte Propaganda von einem “der Antifa” zugeschriebenen Angriff.[23] Dagegen “weiß” Ottmar Lattorf über die belegten Hetzjagden[24] Chemnitzer Neonazis folgendes zu berichten: “So kommt es, dass die Massenmedien von ‘Hetzjagden auf Menschen mit Migrationshintergrund’ durch den rechten, sächsischen Mob berichten, – ohne zu ergründen, ob das überhaupt stimmt! Es gibt keine Belege dafür. (…) Als ein linksradikaler Mob in Hamburg beim den G20 Demonstrationen in Hamburg durch die Straßen zogen, gab es solche Äußerungen von Seiten der Bundesregierung nicht.”[25]

Lattorf selbst legte sich bereits kurz nach dem Ausbruch des COVID-19-Virus in der chinesischen Provinz Wuhan fest und wollte von einer “Pseudo-Virus Epidemie” wissen. “Um zu einem Verständnis der wahrscheinlichen [!] Sachlage (Tests, Infektiosität, Epidemie, u.s.w.) im Zusammenhang mit dem Corona Virus zu kommen, gehe ich in die Anfänge der sog. AIDS – Epidemie zurück. … Und genauso wenig, wie die homosexuellen Poppers-Süchtigen der frühen Achziger Jahre keinen Bock darauf hatten, wegen der üblen Nebenwirkungen von ihren Sex-Drogen abzulassen, genauso möchte die Chinesische Führung die toxischen Nebenwirkungen des wirtschaftlichen Erfolgs für den Gesundheitszustand der Bevölkerung wahrnehmen und auch eher vor der eigenen Bevölkerung tarnen. Das ist meine zentrale These.”[26] Durch seine Gleichsetzung zwischen „triebgesteuerten“ Homosexuellen und der “raffsüchtigen” Wirtschaftselite bringt Lattorf Homophobie und Antisemitismus zusammen. Um von den negativen Auswirkungen der “boomenden chinesischen Wirtschaft” für die Bevölkerung abzulenken würde nach “US-amerikanischen Public-Relation-Muster [etwas] verschleiert”.[27] Er verlinkt antisemitische und verschwörungsideologische Internetmedien, darunter “Rubikon”[28], das Portal “Neue Rheinische Zeitung”[29] oder ein Video mit dem Corona-Leugner Sucharit Bhakdi[30].

Mahnwachen für den Frieden und Johanne Liesegang

Lattorf und Johanne Liesegang bei den gemeinsamen “Mahnwachen für den Frieden” am Wallfrafplatz in Köln, 2014.

Im Rahmen der Kundgebungen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen taucht auch Johanne Liesegang auf, die nach eigenen Aussagen bereits seit den 1990er Jahren an Lattorfs “Vollmondfeuer-Festen” teilnimmt. Sie ist als Kölner Kontaktadresse einer Reichsbürgerformation keine Unbekannte, gilt als Seherin, Esoterikerin und offene Antisemitin.[31] Liesegang und Lattorf verbindet auch eine langjährige politische Zusammenarbeit. Im Rahmen von “Wir für den Frieden” waren Liesegang und Lattorf an der Austragung der Kölner “Mahnwachen für den Frieden” um 2014/15 beteiligt.[32] Dort vertrat Lattorf die Reichsbürger_innen-These, wonach Deutschland kein souveräner Staat sei, da es nicht von den USA als Bedrohung angesehen werde.[33] Die Nachfolgeinitiative der Mahnwachen formierte sich unter der Leitung Liesegangs unter dem Namen „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“ („EnDgAmE“), in Dresden brachte die sog. Friedensquerfront die „Patriotischen Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes“ („Pegada“) hervor – beides ideologische und organisatorische Vorläufer von PEGIDA.[34]

In unverantwortlicher Art und Weise fördert Lattorf gefährliche Verschwörungsideologien, die von den realen Infektionsrisiken mit teilweise schwerem bis tödlichem Verlauf ablenken. Lattorf, der keine Gelegenheit auslässt, “Massen-Medien”[35] für angebliche Verfehlungen zu kritisieren, nimmt es dabei selbst mit der Wahrheit, Fakten und seriösen Quellen nicht so genau. Seine Arbeitsweise wird selbst von Vertreter_innen der parawissenschaftlichen “Orgonforschung” wie Ingo Diedrich kritisch gesehen: “Alle Beispiele, die Ottmar Lattorf anführt, sind stark interpretationsbedürftig (…). Diese Beispiele zu zitieren, ohne gleichzeitig den Kontext darzustellen, in dem die Autoren dies Beispiel angeführt haben, heißt, sie aus dem Zusammenhang zu reißen.”[36]

 

Insgesamt wird deutlich, dass Lattorf als urbaner, altgedienter natur- und erdverbundener Öko-Aktivist und Guru aus dem linken Spektrum erscheint, der jedoch eine Querfront-Strategie verfolgt. Als Querfront im weiteren Sinn wird die Zusammenarbeit oder Vermischung linker und rechter Positionen bezeichnet, mit welcher die Zustimmung zu anti-emanzipatorischen Positionen vergrößert und rechten Positionen in linken Zusammenhängen Geltung verschafft werden soll. Diese Intention lässt sich bei Lattorf bis in die 1980er Jahre zurückverfolgen. Dem linken Milieu entsprungen, setzt Lattorf auch auf die aktive Zusammenarbeit mit der extremen Rechten und agitiert mittlerweile offen gegen den Antifaschismus. Ottmar Lattorf befindet sich auch in ideologischen Hinsicht äußerst rechts: Lattorf erklärt jedwede gesellschaftlichen Probleme und komplexe Zusammenhänge entweder mit “Massen-Medien” oder dem vermeintlichen Hauptschuldigen USA (in einigen Texten und Vorträgen benennt er auch Israel). Menschen sind bei ihm eine stets willenlose, gesteuerte und verblendete Masse, aus welcher er sich selbst als eine der wenigen positiven Ausnahmen hervorhebt. Dies spiegelt sich besonders in seinem patriarchialen Frauen*bild wider, das auf männliche Zweckerfüllung reduziert ist.

“[Ottmar Lattorf] leugnet u.a. AIDS – HIV mit einer kruden Weltverschwörungskonstruktion, verbreitet diese und andere Verschwörungstheorien, versteckt sich hinter diversen Vereinsbezeichnungen (u.a. “NaBiS”), verklärt das Patriarchat zum Matriarchat, romantisiert antizivilisatorische Technologiefeindlichkeit, predigt ewige “Liebe und Frieden” und treibt damit Menschen in die Fänge von Sekten, stellt die “Kultur” des “Rainbow” (ein obskures “Gathering”) über alles und ist bekennender platter Antiamerikanist – Antizionist – Antisemit”[37] und Pseudo-Feminist.

In Köln findet anlässlich der Corona-Volksfront zusammen, was ideologisch schon seit Jahrzehnten zusammengehört.

Auch wenn mit ihm in Kontakt stehende Personen und Gruppen vielleicht nur als “verschroben” wahrnehmen, führt dies bis heute zu keiner Auseinandersetzung mit seinen bekannten Aktivitäten und Äußerungen. Bisher stand für Lattorf bspw. in der Alten Feuerwache die Tür offen und bei Stadtteilfesten durfte er sich mit Ständen präsentieren und seine Pamphlete verteilen oder auf städtischen Veranstaltungen Reden schwingen.

Die Willkommenskultur gegenüber Ottmar Lattorf und seinem Umfeld von Seiten der linken Szene und zivilgesellschaftlicher Akteur_innen in Köln, wie sie bisher gepflegt worden ist, macht einen blinden Fleck im Umgang mit Rechtsextremismus sichtbar. Dieser konnte in einer linken Kultur auch deshalb gedeihen, weil über Jahrzehnte verschlafen worden ist, sich mit den vielfältigen Erscheinungsformen sowohl des Antisemitismus als auch des (linken) Mackertums mit heteronormativen Verhältnissen auseinander zu setzen.

 

Und jetzt?

Mit dieser Aufklärung über Ottmar Lattorf ist es nicht getan. Darum fordern wir

  • Weitergabe der Informationen über Lattorf, seine Positionen und sein Umfeld auch über linke Zusammenhänge hinaus in zivilgesellschaftliche Strukturen und den öffentlichen Raum!
  • Deutliche Abgrenzung und Aufkündigung jeglicher Zusammenarbeit mit Lattorf und Umfeld!
  • Offenlegung der Strukturen und Projekte, die mit Lattorf zusammenarbeiten oder zusammengearbeitet haben im Rahmen öffentlicher Distanzierungen!
  • Interne Auseinandersetzung mit dem Problem jeglicher Formen des Antisemitismus und der Notwendigkeit von feministischen Forderungen, nicht nur in linken Strukturen!
  • Haus- und Zutrittsverbote für Ottmar Lattorf an allen Kultureinrichtungen sowie Orten der Politik und Selbstverwaltung wie z.B. Alte Feuerwache, Ökoprojekte, Kirchen etc.!
  • Kündigung der städtischen Verträge mit Ottmar Lattorf und seinem Verein (z.B. Nutzungs- und Pachtverträge) beruhend auf der Charta der Stadt Köln für Vielfalt und Toleranz sowie den Ratsbeschluss gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln!
  • Auftritts- und Sprechverbot auf städtischen Veranstaltungen und Podien z.B. als Funktionsträger seines Vereins und für Bürger_inneninitiativen!
  • Ausschluss von Demonstrationen und Kundgebungen sowie E-Mail-Verteilern einschließlich der Deaktivierung seiner Zugänge zu bestehenden Kommunikationsstrukturen (E-Mail, Blogs, Foren etc.)!
  • Ausschluss aus Bürgerinitiativen und BI-Netzwerken!
  • Abwahl von Ottmar Lattorf aus Ämtern/Funktionen, die er z.B. in Vereinen, Netzwerken oder öffentlichen Gremien ausübt!
  • Verhinderung der Neuinstallation der antisemitischen Kölner Klagemauer durch Lattorfs Weggefährtin Johanne Liesegang!
  • Breiter Protest gegen die sog. “Hygiene”-Mediationen, Corona-“Spaziergänge” und andere Aktionen der Corona-Querfront als Sammelbecken des Rechtsextremismus mit allen Mitteln und auf allen Ebenen!
  • Einrichtung von konkreten Hilfsangeboten für Betroffene aus dem sektenartigen Umfeld Ottmar Lattorfs, bspw. Menschen die aufgrund seiner medizinischen “Beratungen” geschädigt wurden, Opfer seiner Manipulationen!
  • Klare Haltung gegen jeden Antisemitismus!
  • Klare Haltung für (Queer-)Feminismus!

 

Fußnoten:

[1] “Was? – Migrations-Pakt! Was soll der Migrations-Pakt?” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 08.12.2018, E-Mail (liegt d. Verf. vor)

[2] Vgl. “Forschung und Lehre auf eigene Faust – Ein Portrait des Kölner Baum- und Bürgeraktivisten Ottmar Lattorf” von Jochen Schilk, QYA Blog [QYA], 16/2012 (https://oya-online.de/article/read/783-forschung_und_lehre_auf_eigene_faust.html, abgerufen am 27.05.2020)

[3] Vgl. “Stadtbahnbau Neues Konzept soll möglichst viele Bäume auf Bonner Straße erhalten” von Philipp Haaser, Kölner Stadt-Anzeiger, 05.10.2017 (https://www.ksta.de/koeln/rodenkirchen/stadtbahnbau-neues-konzept-soll-moeglichst-viele-baeume-auf-bonner-strasse-erhalten-28524674, abgerufen am 31.05.2020); “Aus der Baum” von Jan Lüke, Stadt Revue, 17.11.2017 (https://www.stadtrevue.de/archiv/artikelarchiv/13032-aus-der-baum/, abgerufen am 31.05.2020)

[4] QYA, ebd.

[5] “Die Welt war nicht immer so” von Ottmar Lattorf, Eigenverlag [DWWNIS], als PDF veröffentlicht auf Lattorffs Homepage (abgerufen am 27.05.2020)

[6] Senf trat u.a. auch bei “Mahnwachen für den Frieden” auf, siehe dazu Friedensdemo Watch über Senf am 23. Juni 2016 https://www.facebook.com/friedensdemowatch/photos/prof-bernd-senf-spricht-am-am-306-auf-der-wahnmache-greifswald-die-wahnwichtel-h/681245688596357/ oder Alternative Liste VG  https://www.al-vg.eu/2014/06/die-ich-rief-die-geister.html vom 17. Juni 2014

[7] Für einen Überblick zur.Orgonforschung, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Orgon (abgerufen am 29.05.2020)

[8] U.a. “Wer verfolgte die Hexen-Hebammen? Und warum ? oder Wie die sexualfeindliche Moral in Europa etabliert wurde”, Ottmar Lattorf in: Volker Lubminer (Hrsg.), ’emotion’ –  Beiträge zum Werk von Wilhelm Reich, Knapp Diederichs, Nr. 12/13, 1997. Darin bedient Lattorf u.a. Antisemitismus: “Der Sabbat war der heilige Tag der Juden, an dem nichts erlaubt war, kein Handel, keine Arbeit, nur (!) eins war an diesem Tag erlaubt: der Geschlechtsverkehr.” (Hervorhebungen d. Verf.).

[9] Handout zur Veranstaltungsreihe der Fachschaft der Medizin an der Universität Köln in Zusammenarbeit mit Ottmar Lattorf zum Thema “AIDS” [Handout AIDS 1993] an Kölner Universität, 1993

[10] DWWNIS, S. 16

[11] Handout AIDS 1993

[12] DWWNIS, S. 27

[13] Zur Person Andreas von Bülow: https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_von_Bülow

[13n] Der Förderturm, Nr. 5/2003, S. 15. Es gibt keine Hinweise, dass Lattorf Teil der Redaktion war.

[14] DWWNIS, S. 18, (Fehler im Original)

[15] DWWNIS, alle Zitate ab S. 10 f.

[16] DWWNIS, S. 10

[17] QYA, ebd.

[18] “Was? – Migrations-Pakt! Was soll der Migrations-Pakt?” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 08.12.2018, E-Mail (liegt d. Verf. vor)

[19] “Corona – Redekreis am Samstag” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 23.04.2020, E-Mail (liegt d. Verf. vor)

[20] Postfeminism” von Stephanie Genz, Edinburgh University Press, Edinburgh 2009, S. 95: “Firestone argued that the sexual revolution ‚brought no improvements for women‘ but proved to have ‚great value‘ for men […] a new reservoir of available females was created […].”

[21] DWWNIS, S. 10

[22]Saharasia: The 4000 BCE Origins of Child Abuse, Sex-Repression, Warfare and Social Violence in the Deserts of the Old World. The Revolutionary Discovery of a Geographic Basis to Human Behaviorvon James DeMeo, Natural Energy Works 2011.

[23] “Corona, Infos und Demos” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 22.05.2020 (liegt d. Verf. vor)

[24] “Chatprotokolle zeigen Verabredung zu Hetzjagden in Chemnitz” von Lena Kampf, Sebastian Pittelkow und Katja Riedel, 26.08.2018 (https://www.sueddeutsche.de/politik/chemnitz-rechtsextremismus-hetzjagden-maassen-1.4577009, abgerufen am 01.06.2020)

[25] “Chemnitz – eine Gesellschaft ist durcheinander” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 09.09.2018, E-Mail (liegt d. Verf. vor; Fehler im Original)

[26] “Was ist los mit dem Corona Virus in China? Vom AIDS -Virus, zur Vogelgrippe, zu SARS, über BSE und wieder zurück. – Eine Vermutung von Ottmar Lattorf”, Köln Insight / lebeART, 21.02.2020 (http://www.koeln-insight.tv/index.php/soziales-leben/blickwinkel/72-artikel/kolumne-und-fiktion/21182-was-ist-los-mit-dem-corona-virus-in-china.html, abgerufen am 28.05.2020, Fehler im Original)

[27] Köln Insight / lebeART, ebd.

[28] “EU – Wahl, was gibt´s zu wählen?” von Ottmar Lattorf, E-Mail vom 24.0.2019 (liegt d. Verf. vor)

[29] Ebd.

[30] Für Hintergründe zu Sucharit Bhakdi hierzu vgl. “Video im Faktencheck: Prof. Sucharit Bhakdi kritisiert Corona-Maßnahmen” von Kira Urschinger, SWR, 22.05.2020 (https://www.swr3.de/aktuell/multimedia/bhakdi-video-faktencheck-massnahmen-corona-100.html, abgerufen am 31.05.2020)

[31] Recherchen und Informationen zu Johanne Liesegang von RABA, u.a. https://www.facebook.com/RABAkoeln/posts/671248096991119, https://www.facebook.com/RABAkoeln/posts/668539990595263, https://www.facebook.com/RABAkoeln/posts/665626450886617, https://raba.noblogs.org/post/2020/05/20/redebeitrag-vom-18-mai-2020-zu-johanne-liesegang-und-ihren-versuch-eine-klagemauer-zu-installieren/, https://raba.noblogs.org/post/2020/05/26/redebeitrag-zur-kundgebung-keine-klagemauer-gegen-jeden-antisemitismus-vom-25-mai-2020/

[32] Reden hielt Lattorf u.a. am 19.05.2014, 24.11.2014, 22.12.2014, 27.07.2015

[33] Rede Ottmar Lattorf für “Wir für den Frieden” auf der Mahnwache in Köln am 27.07.2015, dokumentiert auf YouTube (watch ID “v=mgLCOMAxvtk”)

[34] Vgl. “Mehr Abkürzungen für wirre Demokratiefeinde EnDgAmE und Pegada” von Milla Frühling, Belltower, 21.01.2015 (https://www.belltower.news/mehr-abkuerzungen-fuer-wirre-demokratiefeinde-endgame-und-pegada-38818/, abgerufen am 31.05.2020)

[35] Der Begriff “Massen-Medien” wird in der sog. Neuen Rechten ersetzt durch “Mainstream-Medien”.

[36] “Kritik an den Aufsatz zur Hexenverfolgung von Ottmar Lattorf”, undatiert, Ingo Diedrich, Bovenden (http://www.orgonomische-sozialforschung.de/Sonst_Hexe.htm#Kritik, abgerufen am 31.05.2020)

[37] Kommentar von “Scheisz aufs Südstadel” vom 13.10.2009 unter dem Beitrag “Köln: Randale, u,a,e”, Pink dug, Indymedia, 17.09.2009 (https://de.indymedia.org/2009/09/261166.shtml?c=on#c603052, abgerufen am 31.05.2020)

 

Nachtrag vom 02.06.2020:

Ein Hinweis zur Zitierung Lattorfs 9/11-Verschwörungsideologie in einem Neonazi-Fanzine wurde nachträglich eingetragen.

 

Weitere Veröffentlichungen zu Lattorf: https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=740371186745476&id=257268208389112